Kehrmaschine mieten: Leitfaden Bauhof | BauhofPartner
Kehren gehört zu den Aufgaben, die im Bauhof regelmäßig anfallen, aber selten gleichmäßig über das Jahr: die Splittaufnahme nach dem Winterdienst, das Laub im Herbst auf Gehwegen und Parkplätzen, der Festplatz nach dem Schützenfest, der Marktplatz am Montagmorgen, die Fläche vor der Deckensanierung. Viele Gemeinden haben für die Ortsdurchfahrt einen Kehrvertrag oder eine eigene Kleinkehrmaschine, aber für die Spitzen im Frühjahr und Herbst oder für Flächen, die das eigene Gerät nicht schafft, ist die gemietete Kehrmaschine meist die wirtschaftlichere Lösung als ein zweites Fahrzeug im Bestand. Dieser Beitrag zeigt, wann sich die Miete lohnt, welche Bauarten es von der Anbaukehrmaschine für den Schlepper bis zur selbstfahrenden Kompaktkehrmaschine gibt, worauf es bei Kehrbreite, Staubbindung und Kehrgutbehälter ankommt und welche Praxispunkte über Bürstenverschleiß, Wasser und Entsorgung vorab geklärt sein sollten.
Wann sich die Miete für den Bauhof lohnt
- Splittaufnahme nach dem Winter: Der Splitt von Gehwegen, Nebenstraßen und Parkplätzen muss im Frühjahr runter, sonst liegt er im Sommer in den Rinnen und im Herbst im Kanal. Der Bedarf ist planbar, aber auf wenige Wochen konzentriert und übersteigt oft die Leistung der eigenen Kleinkehrmaschine.
- Laub im Herbst: Auf Alleen, Friedhofswegen und Schulhöfen fällt in kurzer Zeit viel Material an, das aufgenommen und nicht nur zusammengeschoben werden muss.
- Veranstaltungen: Nach Fest, Markt und Umzug muss die Fläche schnell wieder sauber und befahrbar sein, häufig am Wochenende oder Montag früh.
- Vor Deckensanierung und Markierung: Vor dem Anspritzen und Einbauen muss die Unterlage sauber und frei von losem Material sein, sonst leidet der Verbund der Schichten. Auch vor Markierungsarbeiten verlangt der Betrieb eine gekehrte Fläche.
- Ausfall oder Sonderfläche: Die eigene Maschine steht in der Werkstatt, oder eine Fläche verlangt ein anderes Format als der Bestand hergibt, etwa der geschotterte Wanderparkplatz oder der lange Radweg.
Wer dagegen ganzjährig große Flächen unterhält, etwa eine Stadt mit vielen Kilometern Ortsstraßen, sollte den Kauf oder einen Kehrvertrag durchrechnen. Für die Splittaufnahme im Frühjahr gehört der Kehrbedarf ohnehin in die Winterdienstplanung, dazu mehr im Beitrag Winterdienst vergeben.
Bauarten: Anbau, handgeführt, selbstfahrend
Anbaukehrmaschine: nutzt Schlepper oder Radlader des Bauhofs
Anbaukehrmaschinen und Kehrbesen hängen an Radlader, Stapler oder Schlepper und laufen über deren Hydraulik oder Zapfwelle. Ist der Schlepper ohnehin im Bauhof, ist das der schnellste und günstigste Weg, große Flächen wie Festplatz oder Betriebshof zu kehren. Zwei Bauprinzipien sind üblich: der einfache Kehrbesen, der das Material vor sich herschiebt oder seitlich ablegt, und die Kehrschaufel beziehungsweise Aufnahmekehrmaschine mit Sammelwanne, die das Kehrgut gleich mitnimmt. Ob das Gerät passt, entscheidet das Trägergerät: Aufnahme, Hydraulikleistung und Anbaumaße müssen in die Anfrage.
Handgeführte Kehrmaschine: klein und wendig
Handgeführte Kehrmaschinen mit eigenem Antrieb sind das Gerät für Gehwege, Friedhofswege, Ecken und kleine Höfe, also überall dort, wo kein Anbaugerät hinkommt. Ihre Flächenleistung ist klein. Für die Ortsdurchfahrt sind sie das falsche Format, als Ergänzung für Restflächen und Gehwege aber oft genau richtig.
Selbstfahrende Kompaktkehrmaschine: Flächenleistung mit Absaugung
Selbstfahrende Kompakt- und Aufsitzkehrmaschinen kombinieren Tellerbesen, Saugmund, Wassersprühung und Kehrgutbehälter und liefern auf Ortsstraßen, Parkflächen und Plätzen die höchste Reinigungsqualität, auch bei Feinanteilen und Staub. Für die Splittaufnahme im Frühjahr und die Reinigung der Ortsdurchfahrt sind sie der Standard. Für Fahrten auf öffentlichen Straßen sind Betriebserlaubnis, gegebenenfalls Kennzeichen und Führerscheinklasse des Fahrers zu prüfen, was bei wechselnden Bauhofmitarbeitern vorab geklärt sein sollte.
Auswahlkriterien: Kehrbreite, Staub, Behälter
- Kehrbreite und Flächenleistung: Die Kehrbreite bestimmt, wie viele Bahnen eine Fläche braucht. Für große, freie Flächen zählt die Breite, für Gehwege, Rinnen und verwinkelte Altstadtgassen die Wendigkeit und ein Seitenbesen für Ränder und Bordsteinkanten.
- Staubbindung mit Wasser: Trockenes Kehren ohne Wassersprühung erzeugt Staub, der in Wohnstraßen, vor Schulen und am Marktplatz Beschwerden auslöst. Maschinen mit Wassertank binden den Staub, brauchen aber eine Befüllmöglichkeit und sind bei Frost nur eingeschränkt einsetzbar, was für die frühe Splittaufnahme im März zählt.
- Kehrgutbehälter: Volumen und Entleerhöhe müssen zur Aufgabe passen. Bei Splittaufnahme füllt sich der Behälter schnell, und eine Hochentleerung in den Container auf dem Bauhof spart Handarbeit.
- Kehrgutart: Splitt, Laub, Festmüll oder feiner Staub stellen unterschiedliche Anforderungen an Besen, Saugleistung und Behälter. Die Kehrgutart gehört deshalb in die Anfrage.
Hinweis: Beschreiben Sie dem Vermieter Fläche und Kehrgut, nicht nur einen Maschinentyp: Kilometer Gehweg und Quadratmeter Platz, Belag, Art und Menge des Kehrguts (etwa „Splitt nach Winterdienst, rund 30 Kilometer Nebenstraßen"), verfügbarer Schlepper oder Radlader, Wasseranschluss auf dem Bauhof und Entsorgungsweg. Daraus ergibt sich die passende Bauart meist von selbst, und Sie vermeiden eine Maschine, die das Kehrgut nur umverteilt statt aufnimmt.
Praxis: Bürsten, Wasser, Entsorgung
- Bürstenverschleiß: Besen sind Verschleißteile, und Splitt schleift sie schnell ab. Vorab klären, ob normaler Verschleiß im Mietpreis steckt oder nach Abnutzung berechnet wird, und den Besenzustand bei Übergabe und Rückgabe ins Protokoll schreiben.
- Wasser: Befüllmöglichkeit auf dem Bauhof oder am Hydranten organisieren und bei Frostgefahr klären, ob das System über Nacht entleert werden muss. Ohne Wasser keine Staubbindung.
- Entsorgung des Kehrguts: Straßenkehricht ist Abfall und je nach Zusammensetzung getrennt zu entsorgen, er gehört nicht in den Grünabfall und nicht auf den Lagerplatz hinter dem Bauhof. Zuständigkeit und Entsorgungsweg vor dem Einsatz festlegen, die Kosten dafür im Haushaltsansatz für die Straßenreinigung berücksichtigen.
- Einweisung und Protokoll: Wie bei jeder Mietmaschine gilt: Einweisung bei Übergabe, betriebliche Unterweisung des Fahrers, Zustandsprotokoll mit Fotos, und ein fester Fahrer für die Mietdauer statt wechselnder Bedienung.
Kostenlogik: woraus sich die Miete zusammensetzt
- Bauart und Größe: Zwischen dem Anbaubesen für den Schlepper und der selbstfahrenden Kompaktkehrmaschine mit Absaugung liegt preislich ein großer Abstand.
- Mietdauer: Wochen- und Monatssätze liegen pro Tag deutlich unter dem Tagessatz, für die Splittaufnahme über drei, vier Wochen lohnt der Vergleich.
- Verschleiß und Verbrauch: Besen, Kraftstoff und Wasser kommen auf den Mietsatz obendrauf, pauschal oder nach Verbrauch, je nach Vertrag.
- Transport und Nebenkosten: Anlieferung zum Bauhof, Haftungsreduzierung, Reinigung bei Rückgabe und die Entsorgung des Kehrichts machen am Ende die Gesamtsumme aus.
Vergleichbar sind Angebote erst als Gesamtsumme über die geplante Dauer, inklusive Verschleißregelung, Transport und Entsorgung. Der Tagessatz allein sagt wenig, und für den Vergleich mit einem Kehrvertrag oder dem Kauf zählt die Summe über das Jahr.
Typische Fehler
Kehren statt aufnehmen. Ein einfacher Kehrbesen am Schlepper schiebt das Material nur zusammen oder zur Seite. Wer Splitt oder Laub tatsächlich von der Fläche bekommen muss, braucht eine Maschine mit Sammelbehälter oder Absaugung, sonst folgt ein zweiter Arbeitsgang von Hand, und der Splitt landet in der Rinne.
Häufiger Fehler: Die Entsorgung des Kehrguts wird nicht eingeplant. Die Straßen sind sauber, aber der Kehrichthaufen liegt wochenlang hinter der Bauhofhalle, bis die Entsorgungsfrage geklärt ist, und kurzfristige Entsorgung kostet Aufschlag. Entsorgungsweg und Container vor dem Einsatz organisieren, Zuständigkeit im Angebot festhalten.
Anbaugerät passt nicht zum Schlepper. Die Aufnahme ist eine andere, die Hydraulik bringt zu wenig Leistung oder die Anbaumaße stimmen nicht, und die Maschine steht am Montag ungenutzt im Hof. Daten des Trägergeräts in die Anfrage, Passung vom Vermieter schriftlich bestätigen lassen.
Trocken gekehrt in der Wohnstraße. Ohne Wassersprühung zieht die Staubfahne über Anlieger, Gärten und fließenden Verkehr, im Zweifel mit Beschwerden im Rathaus und Nacharbeit.
Checkliste vor der Anmietung
- Fläche und Belag beschrieben: Kilometer Straße und Gehweg, Quadratmeter Plätze, Zuschnitt, Randbereiche
- Kehrgut benannt: Art, Menge, Feinanteil, Feuchtigkeit
- Bauart gewählt: Anbau, handgeführt oder selbstfahrend
- Bei Anbaugeräten: Schlepper oder Radlader mit Aufnahme und Hydraulikdaten angegeben
- Staubbindung geklärt: Wassertank, Befüllmöglichkeit, Frostgefahr bei früher Splittaufnahme
- Kehrgutbehälter und Entleerung zur Aufgabe passend, Container auf dem Bauhof
- Entsorgungsweg organisiert, Zuständigkeit und Kosten geregelt
- Bürstenverschleiß-Regelung im Angebot geprüft
- Fahrer mit passender Fahrerlaubnis benannt, Einweisung, Unterweisung und Zustandsprotokoll eingeplant
Häufige Fragen
Muss der Splitt nach dem Winter überhaupt aufgenommen werden?
Ja. Liegen gebliebener Splitt ist auf Gehwegen und für Radfahrer eine Rutschgefahr, wandert in Rinnen und Kanalschächte und verstopft Einläufe. Die Aufnahme im Frühjahr gehört deshalb fest in den Jahresablauf der Straßenunterhaltung und sollte schon im Winterdienstvertrag geregelt sein, wenn Teile des Winterdienstes vergeben sind.
Anbaukehrmaschine am Schlepper oder selbstfahrende Maschine: was passt zum Bauhof?
Das hängt von Aufgabe und vorhandenem Gerät ab. Wer den Schlepper hat und groben Schmutz auf Festplatz oder Bauhof bewegen will, fährt mit dem Anbaugerät günstig. Wer Splitt, Laub oder Staub auf Ortsstraßen und Gehwegen tatsächlich aufnehmen muss, braucht in der Regel die selbstfahrende Maschine mit Behälter und Absaugung, für Gehwege ergänzt um eine handgeführte Maschine.
Wohin mit dem Straßenkehricht?
Kehrgut ist Abfall und je nach Herkunft und Zusammensetzung unterschiedlich einzustufen, Straßenkehricht etwa getrennt von reinem Splitt oder Laub. Es gehört weder in den Grünabfall noch auf den Lagerplatz hinter dem Bauhof. Klären Sie den Entsorgungsweg mit dem Entsorger oder Landkreis vor dem Einsatz, organisieren Sie einen Container und planen Sie die Entsorgungskosten im Haushalt ein.
Ist der Bürstenverschleiß im Mietpreis enthalten?
Je nach Vermieter unterschiedlich. Manche rechnen den normalen Verschleiß in den Mietsatz ein, andere berechnen die Abnutzung nach Einsatz, und bei Splitt ist die Abnutzung erheblich. Die Regelung vorab erfragen und den Zustand der Besen bei Übergabe und Rückgabe mit Foto dokumentieren.
Darf jeder Bauhofmitarbeiter mit der gemieteten Kehrmaschine auf öffentlichen Straßen fahren?
Nur wenn Maschine und Fahrer die Voraussetzungen erfüllen. Kompaktkehrmaschinen gelten als selbstfahrende Arbeitsmaschinen und sind meist zulassungsfrei, brauchen aber eine Betriebserlaubnis und ab einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h ein amtliches Kennzeichen. Welche Fahrerlaubnisklasse nötig ist, hängt unter anderem von Geschwindigkeit und zulässiger Gesamtmasse ab. Der Bauhofleiter prüft vor dem Einsatz Betriebserlaubnis, Kennzeichen und Führerschein des eingeteilten Mitarbeiters und fragt im Zweifel den Vermieter.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt die gängige Praxis bei der Anmietung von Kehrmaschinen aus Sicht des Bauhofs. Maßgeblich sind die Konditionen des Vermieters, die Herstellerangaben der Maschine und die abfall-, straßenverkehrs- und arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben in der jeweils gültigen Fassung.


